![]() |
|||||||
|
|||||||
karinsuter.net » TEXT |
|||||||
![]() |
Open Cluster, 2008:
Pressetext (kurze Version)
Myriade, 2008:
„open cluster“ nennt die zurzeit in Rotterdam lebende und arbeitende Aargauer Künstlerin Karin Suter ihre Installation, die sie eigens für den Ausstellungsraum Goldenes Kalb konzipiert hat. Seit ihrem einjährigen Atelier-Aufenthalt in Peking (2007) nehmen ihre Arbeiten zunehmend einen installativen Charakter an; mit einem Hang zum abstrakten Minimalismus. Für ihre im Raum integrierten Objekte verwendet sie unterschiedliche Materialien. 'open cluster' besteht aus einer Gruppe von Werken, die aus der Auseinandersetzung mit Abstraktion und Suggestion, Verfremdung und Symbolik, mitunter auch Ornament und Textur entstanden sind. Wie die einzelnen Sterne innerhalb eines Sternhaufens sind auch die Arbeiten der Installation durch gegenseitige Anziehung lose miteinander verbunden. - Cornelia Ackermann, Kuratorin, 2008 Ausstellungstext
Karin Suter, 2007, Artist Statement:
Karin Suters (*1979, lebt und arbeitet in Rotterdam und Basel) eigenwillige Werke untersuchen im Grunde genommen stets die Verhältnisse zwischen kognitivem Wissen und subjektiver Intuition. Ihre Malereien, Skulpturen, Installationen und Zeichnungen sind einerseits als konzeptuelle, prozess- orientierte Versuchsanordnungen über die formalen Grundbedingungen eines Mediums und der Darstellung an sich zu verstehen. Sie handeln von Abstraktion und Suggestion, Verfremdung und Symbolik, mitunter auch Ornament und Textur. Gleichzeitig aber konzentrieren sich ihre Arbeiten in ihrer Zeitlichkeit immer auf intuitiv definierte Momente der Flüchtigkeit, der Tranluzenz und der Bewegung. Als formal und inhaltlich verbindende Elemente dieser beiden Arbeitsweisen dienen dabei Beobachtungen der Natur, ihrer Materialien und Prozess- Zyklen. Diese werden auf ihre Wechselwirkungen und ihr Verhältnis zu Raum und Zeit hin untersucht. In Karin Suters Malerei auf Leinwand, gefundene Holzstücke oder direkt auf Wände beispielsweise, werden Natur, Raum und Ort meist nur noch als abstrahierte Fläche oder unscharfe Kontur angedeutet, oder finden sich als Reduktion beinahe ornamentaler Formen wieder. Die Flüchtigkeit welche in ihnen zu finden ist, entsteht einerseits durch die explizit aus der Bewegung der Malerei heraus aufgebauten Spannung, und ist zugleich Ausdruck des Versuchs, intuitiv Erinnertes als metaphorisches Moment der Vergänglichkeit und Zeit an sich, überhaupt darstellen zu können. Stark auf ihre materiellen Eigenschaften hin untersucht, und für die jeweiligen Ausstellungsräume adaptiert, führen Karin Suters Skulpturen und Installationen weiter, wo die Malerei an ihre räumlichen und materiellen Begrenzungen stösst. In der Tradition von Künstlerinnen wie etwa Eva Hesse oder auch Heidi Bucher, erkunden ihre räumlichen Arbeiten die Wirkung von Material, Raum und Zeit in der Spannung zur subjektiven Wahrnehmung, Suggestion und dem Grenzbereich zwischen Abstraktion und Absurdität. In einer historischen Verschiebung zu diesen grossen Frauen und vor allem persönlich bedingt, siedeln sich Suters Raumarbeiten innerhalb ihres Werks interessanterweise ebenso an einem Zeitpunkt nach dem „Zusammenbruch der Malerei“ an. Sie sind vor allem aufgrund unmöglicher Produktionsbedingungen während ihres Atelieraufenthalts in Beijing letzten Jahres entstanden. In mancher Weise suggerieren sie absurd- poetische Stillleben, deren einzelne Materialien wie Holz, Erde, Farbe und Neon gleichzeitig gegeneinander und miteinander arbeiten. Diese Arbeiten tragen eine sonderbare Rohheit in sich, sie zeugen von Zerfall und dadurch einmal mehr von Bewegung. Immer wieder erscheint den Betrachtenden in Karin Suters Werk die Welt als fremdes, fabelhaftes Aufeinandertreffen von diffusen Sinneseindrücken und ein auf ihre Erfahrung aufgebautes Deuten von Formen und Zeichen zugleich. Eine Welt der Verwunderung und Begeisterung, des Zufalls vielleicht, einer Welt der konstanten Bewegung sicherlich und der in all diesen Zuständen innewohnenden Vergänglichkeit. -Jean-Claude Freymond-Guth Zürich, Februar 2008 Oscillations
- An Environmental Quest
Jean-Claude Freymond-Guth, 2005, Les Complices* Zürich:
The Still Mind Is A Mirror of Heaven And Earth; The Glass of All Things. - Chang Tzu My inspiration to make art is based on the recognition of two modes of consciousness: the rational and the intuitive. Our rational reality is derived from our everyday experience, made up of the lines and contours of objects and events that fill our space. I understand our rational reality to be constructed by our intellectual experience. The rational refers to abstract concepts and symbols, characterized by the linear, sequential structures, which serves to communicate experience and thought thru language. The intuitive reality on the other hand, derives from the natural world, a mulitimensional world without regulations and stuctures; a world of infinite varieties and complexities. We intuitively understand that our rational concept of reality is necessarily limited. As it seems to us, our rational representation of reality is so much easier to grasp than reality itself. We tend to perceive the communicated reality of concepts and symbols, as reality itself. My intention as an artist is to create from the edge of these two worlds, a piece that transcends both intellectual thinking and sensory perception. In my experience creating is likened to a meditative state, using my intuitive senses to perceive my environment without the filter of conceptual experience. I use conceptual methods to show and create an environment on the edge of two mixed preceptive worlds. Oscillations is a perceptual environmental quest. The exhibition is set up as distant self-realization to ease the grasp of the rational and develop the intuitive mode of conciousness. The not understanding, the not formulating, the not explaining – An intuitive insight – A non-verbal-flash – The title Oscillations exposes the space between the peaks and troughs, the balance between the extremes. The notion that all opposites are polar – light and dark, good and evil, male and female, close and far – are merely different aspects of the same phenomena. Oscillation shows the constant motion between two extreme points and can be described as the dynamic unity of (two) polar opposites. All opposites are interdependent, their conflict can never result in total victory or defeat. They are but a manifestation of the interplay between two sides. - Karin Suter, Beijing Imperial City Art Museum, June 6. - 26. 2007 The light was awfully fast, and we were blinded as it passed. - Justin Vollmar
Eva Scharrer, 2005, Kunsthistorikerin:
Malerei trägt eine eigentümliche Zeit- Spannung in sich. In Echtzeit, als Zeitspanne des Schaffens (eines Bildes), wird versucht die eigentliche Zeitlichkeit als Charakter der Malerei aufzugreifen, zu fassen und atmosphärisch zu verdichten. Diese eigentümliche malerische Zeit, in der Vergangenes in Echtzeit festgehalten wird, trägt nicht nur eine Melancholie in sich. Sie enthält auch eine Ungewissheit, und so ist denn auch die Aktion der Malerei immer auch als Suspense zu verstehen. Während diese jedoch z.B. im bewegten Bild (als Gegensatz zur Tension) im Extremfall über eine gesamte Geschichte aufgebaut wird, bevor sich diese Spannung auflöst, bleibt sie in der Malerei in diesem Sinne unlöslich erhalten. Karin Suters Malerei lässt sich vielleicht am besten in diesen klassischen Spannungsfeldern der Malerei erklären. Ihre Bilder scheinen von Vergangenem, von Verlust und Abwesenheit zu erzählen. Auf hellen, beinahe transparent wirkenden Hintergründen sammeln sich Gedachtes, Erinnerungen, und Erfahrenes durch den Akt der Malerei an sich. Ihre Malerei ist Versuch der Vergewisserung, als kritische Auseinandersetzung mit sich selbst, als Beobachtung und Formulierung des sonst Unbenennbaren. Auf Karin Suters Leinwand finden subtile Bruchstücke aus der privaten und der grossen, weiten Welt zusammen. Beide wirken in ihrer subjektiven Nähe beinahe intim und dennoch unaufhaltsam vergänglich; eine Bewegung nicht als dramatisch inszeniertes Moment sondern als einzige Möglichkeit des Erfassens, des kurzen Festhaltens eines Augenblicks. Skizzenhafte, flüchtige, jeder Nachlässigkeit ferne Andeutungen scheinen eine Lesbarkeit zu suggerieren. Man glaubt schon, die eine oder andere Geschichte mit- oder gar zu ende erzählen zu können. Die schlicht wunderschöne Ausgewogenheit und Spannung zugleich in der Komposition von Fläche, Farbe, Licht und Bewegung steigert diesen Glauben noch weiter. Doch je intensiver die Betrachtung desto stärker die Spannung, in dem Karin Suters Bilder den Betrachter zurück lassen. Wie die Hintergründe, auf denen sie sich zart entfalten, so scheinen auch jegliche Andeutungen beinahe transparent, und verschwinden gleichwohl wieder. Im Nebel, im Schneegestöber, im Licht? -Jean-Claude Freymond-Guth, Künstler und freier Kurator, Les Complices*, Espace libre & Edition, Zürich Karin Suter Die angedeuteten Landschaften von Karin Suter scheinen sich regelrecht im Licht aufzulösen. Etwa so, wie wenn man verblasste Dias gegen das Sonnenlicht hält, und sich nur noch Schemen vor einer hell durchleuchteten Fläche abzeichnen, Motiv und Grund oszillieren. Die Künstlerin selbst beschreibt ihre Vorgehensweise als „seismographisch“ und intuitiv. Fotografische Vorlagen oder schnell eingefangene Bleistiftskizzen werden mit raschem Pinselstrich auf einer meist hell grundierten Leinwand umgesetzt, wobei die Mischung der Farben unmittelbar auf der Leinwand, also während des Malprozesses selbst, geschieht. Der Duktus changiert zwischen filigran und pastos, zwischen opak und flüssig lasierend. Die flüchtige Bewegung, die in den Arbeiten spürbar ist, erinnert an die Ansichten von Landschaften und Städten, so wie man sie – vielleicht mit halb geschlossenen Augen – aus einem schnell fahrenden Zug erhascht. Da konkretisieren sich beiläufig erhaschte Silhouetten oder Strukturen, zum Beispiel die eines Baumwipfels oder vorbei fliegender Äcker, während alles andere, von Licht und Geschwindigkeit verwischt, zur vagen Abstraktion wird. Es ist der kurze Moment, indem das Zukünftige, das Vergangene, und der gegenwärtige Moment für einen kurzen Augenblick zugleich in der Bildfläche erscheinen, den Karin Suter festzuhalten scheint. Immer wieder gibt es weiße Flecken in den Bildern, Aussparungen, Spuren des Weglassens oder Verschwindens. Auch wenn vieles in Karin Suters Bildern zu recht an die Malerei der Impressionisten erinnert – zum Beispiel das flimmernde hell-dunkel, oder die arabesken Farbschlieren, die manchmal wie ein Dickicht aus verschlungenen Linien fast den ganzen Bildraum in einer over-all Struktur bedecken, und erst von weitem als vegetabile Formen und Blüten erahnbar sind – ist es weniger eine plein-air eingefangene Naturimpression, die darin zum Ausdruck kommt, sondern eher eine gewisse technische Unschärfe. Man stelle sich ein in Bewegung aufgenommenes (oder ein der Bewegung angehaltenes), leicht verwackeltes Videobild vor. Karin Suter arbeitet aus einem Selbstverständnis heraus, dass medialisierte, reproduzierte Bilder genau so real sind – und genau so der augenblicklichen Impression verhaftet sind – , wie das unmittelbar Gesehene. In wieder anderen Arbeiten hat der Pinselstrich die kalligraphische Präzision von japanischen Aquarellen. In der sonst eher hellen, reduzierten Palette sticht plötzlich ein delikat leuchtendes Rot hervor – ein Büschel Geranien oder der zarte Rand eines Blütenkelches. Stilisierte Natur, die Landschaft als sinnlich übersteigerte Erfahrung, prägen auch das Interesse der Künstlerin an der von Menschen gestalteten Natur, insbesondere an artifiziellen Barockgärten. Aber auch Vorgartenidyllen und kultivierte Ackerlandschaften klingen als angedeutete Motive in ihren Bildern durch. Es ist keine heroische Vorstellung von einer idealisierten Landschaft als Ganzem, die hier zum Ausdruck kommt, sondern eine rein malerische, dynamisch Wahrnehmung von Momenten, Strukturen und Details – eine flüchtige Projektion von Landschaft auf der Retina unserer Erinnerung. Eva Scharrer, Kunsthistorikerin, Freiburg D und Basel CH für Tony Wuethrich galerie Basel: AAA im November 2005 Kiki Seiler, 2005, Alexander Clavel Stiftung Riehen Karussell Natur als ein faktisch Gegebenes, als ein den Menschen umgebenden Raum, als Ort der Verwandlung bzw. der Erfahrung wurde zur Inspirationsquelle des jungen Werkes von Karin Suter; Andeutungen von Landschaften, wage Vorstellungen von Natur bzw. Naturillusionen wurden zum Thema ihrer Bilder. Die Erfahrung mit Architektur bzw. mit der Geschichte der Villa Wenkenhof stellte sich für Karin Suter als eine Reise zurück in die Vergangenheit heraus, bis zu jener Zeit, als reale Landschaften den Idealvorstellungen des Barockzeitalters nicht mehr entsprachen und Künstler eigene Wunsch- und Traum- “Ideallandschaften“ zu entwickeln begannen. Über den durch und durch künstlich konstruierten Garten des Grand Siècle, den natürlich angelegten, parkartigen Englischen Garten, über J.J. Rousseaus “retour à la nature“, über die romantischen, idealisierte Landschaft und den Veduten und bühnenbildartigen Prospekten, des 19. Jahrhunderts vor allem, gelangte sie zu den Panoramabildern – eine beliebte Touristenattraktion in der Vorkinozeit. Landschaft, ein schillernder Begriff, sowohl in der subjektiven Interpretation, wie auch in der objektivierenden Definition. Der Begriff von Landschaft bestimmt die Wahrnehmung von Landschaft. Landschaft kann Anstoss zu einem optischen Erlebnis und zugleich Produkt eines optischen Erlebnisses sein. Den im Hause vorgefundenen, repräsentativen Landschaftsbildern, wie auch dem von Menschhand entworfenen, konstruierten Barockgarten, hat Karin Suter die eigene Landschaftskonstruktion gegenübergestellt. Ein panoramaartig, überdimensioniertes Landschaftsbild (“Karussell“) im ehemaligen grünen Esszimmer des Hauses verbreitet theatralische Stimmung, transformiert den Ort, die Zeit. Kulissenhaft, mehr Entwurf und Fiktion als real existierende bzw. idealisierte Landschaft, mutet es dennoch romantisch an, als wäre es auf der Spur des grossen erhabenen Gefühls der Romantiker. Sinnlich, unmythologisch, unverklärt erfasst, wie spontan auf hellem Tuch entstanden, vermittelt es eine Vorstellung von Naturlandschaft, zeugt von einer ganz und gar optimistischen Weltanschauung. Aus filigranen, skizzenhaften Pinselstrichen erwachsen Andeutungen von in den lichten Himmel wachsenden Bäumen, von Wald, von Dickicht. Flüssige Pinselstriche zeichnen in flüchtiger Art Baumstamm, Baumwipfel und feingliedriges Geäst der Baumkrone, umreissen Blattwerk, suggerieren Naturlandschaft. Fliessende Farben von sprühender Frische und Helligkeit, opak oder transparent und lasierend wirkend, schaffen Zonen unterschiedlicher Durchlässigkeit, modellieren Grund, Zwischenräume, lassen Wasser und Himmel erahnen. Von flimmernden Qualität, da und dort noch im Zustand des Fliessens, evozieren sie Bewegung, erzeugen Atmosphäre, ätherische Stimmung, muten impressionistisch an. Ein Rundbild und Environment zugleich, zwischen Lesbarkeit und Ahnung entworfen; kein Arkadien, keine Natursehnsucht, kein Heroismus und kein Pathos. Eine Fantasielandschaft gewiss, in einem Karussell, in einen Gefühls- und Erlebnisraum verwandelt, in welchem Malerei pur zelebriert wird. © Kiki Seiler-Michalitsi, 2005, Kuratorin Kunstraum Riehen für Alexander Clavel Stiftung Förderpreis 2005 |
||||||
| webdesign & development by yourdev.ch | |||||||

